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Graubünden Marathon
28.06.2008

Angekündigt war er als der härteste Marathon überhaupt. Ob das stimmt? Ich weiß es nicht, für mich war er der bislang Härteste. Zu bewältigen waren 42,2 km / +2682 und -402 Höhenmeter.

Es war ein toller Sommertag, die Sonne schien erbarmungslos, was ich abends nicht nur an meiner Nase, sondern auch an den Armen und Beinen merkte. Nach dem Start in Chur waren die ersten 3 km flach, sozusagen zur Erwärmung. Dann ging es aber auch schon mit den ersten Anstiegen los. Ich hielt es wie die meisten Läufer, an den steilen Abschnitten bin ich gegangen und sonst gelaufen. Das ging dann so bis zum km 17,5. Auf ca. 1800 Meter Höhe ging es dann wieder runter ins Tal nach Valbella, vorbei am Heidsee und weiter nach Lenzerheide bei km 31,5. Das Rothorn, unser Ziel, konnte man hier immer gut sehen, doch es war für mich nicht ganz glaubhaft, dass ich irgendwann selbst dort oben stehen könnte. Nach 3:33 h war ich in Lenzerheide und machte eine ausgiebige Pause, denn ich wusste, jetzt kommt der eigentliche Lauf, der Anstieg auf das scheinbar unerreichbare Ziel. Lenzerheide liegt in einer Höhe von 1469 m, das Ziel allerdings auf 2865 m. Diese Höhenmeter waren nun zu überwinden. Es ging auch gleich richtig los mit dem so genannten Wasserfall. Von Wasser hab ich nicht viel gesehen, aber dafür ging es über unzählige Wurzeln und Steine hinauf. Ein unentwegtes Steigen war zu bewältigen. Dann folgte ein etwas flacheres Stück. Hier konnte ich auch manchmal laufen, wenn es die Wurzeln zuließen. So kam ich in Scharmoin auf 1900 m an. Noch 7 km bis ins Ziel. Ich nahm ein Elektrolytgetränk zu mir, was ich besser nicht getan hätte, und weiter ging es. Schon nach einem halben km rumorte es in der Magen- und Darmgegend. Das Getränke wollte, wie es rein gefüllt wurde, wieder raus. Der Kreislauf spielte verrückt, ich war der Ohnmacht nah und machte eine Zwangspause. Das Rumoren nahm zu und alles wollte raus. Nachdem die Sache über die Bühne gegangen war, hätte ich mich am liebsten in die Sonne gelegt und wäre liegen geblieben. Ich dachte, ich würde nie da oben ankommen. Der Weg Richtung Ziel trieb mich dann doch weiter, aber erst nach dem zweiten Zwangsstopp ging es mir besser. Ich zwang mich, das Brot, was ich mir bei einem Verpflegungspunkt eingepackt hatte hinein, und trank Wasser aus meiner Flasche. Der Kreislauf kam wieder in Gang. In dieser Phase des Laufes kam ich nur sehr langsam voran und habe wohl über eine halbe Stunde eingebüßt. Am vorletzten Verpflegungspunkt füllte ich erst einmal ordentlich Cola in meinen Körper und weiter ging es über die endlosen Kehren, vorbei an Geröll und Schneeresten des letzten Winters. Ich hatte mich wieder gefangen und strebte sehnsüchtig dem Ziel entgegen. Ich erreichte wieder eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 min/km, was da oben normal ist. Im Ziel fühlte ich mich wieder super. Der Blick über die Schweizer Alpen entschädigte für alle Qualen, aber es waren die bis dahin härtesten 3 Marathonkilometer, die ich erlebt hatte. Ich muss wohl noch einmal wieder kommen und das besser machen!
Teilnehmer 365
meine Platzierung 272
Zeit 06:53:57

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